Mit Lüge zum 2. Weltkrieg

Vor 80 Jahren begann, was mit mehr als 50 Millionen Toten endete.

Adolf Hitler benutzte bei seiner Rede im Reichstag eine Lüge als Vorwand: „Polen hat nun heute Nacht zum ersten Mal auf unserem eigenen Territorium auch durch reguläre Soldaten geschossen. Seit 5 Uhr 45 wird jetzt zurückgeschossen. Und von jetzt ab wird Bombe mit Bombe vergolten.“ Tatsächlich aber überfiel am 1. September 1939 die deutsche Wehrmacht Polen. Damit hatte der 2. Weltkrieg vor 80 Jahren begonnen.

Krieg ist politisch gewollter Akt

„Ein Krieg ist keine Naturkatastrophe. Ein Krieg bricht nie aus, er ist ein gewollter politischer Akt“, erklärt Historikerin Brigitte Pellar während eines Besuchs im Befreiungsmuseum Wien. Das Museum ist im sogenannten „Erinnerungsbunker“ aus dem 2. Weltkrieg untergebracht und liegt im 9. Wiener Gemeindebezirk. Der Bunker war für 350 Menschen ausgelegt, aber fast doppelt so viele suchten im Inneren Schutz vor dem Bombenhagel. Oft zehn Stunden und mehr mussten sie im Dunkeln ausharren. Dicht zusammengedrängt, Körper an Körper warteten sie, bis die letzten Bomben mit Zeitzünder und andere Sprengfallen Wohnungen und Häuser über ihnen zerstörten. Eine drei Meter hohe Decke sollte sie vor direkten Treffern schützen. „Eine ungeheuer entsetzliche Situation“, weiß Wilhelm Urbanek vom Befreiungsmuseum Wien zu erzählen.

80 Jahre 2. Weltkrieg: Brigitte Pellar

"Ein Krieg ist keine Naturkatastrophe. Ein Krieg bricht nie aus. Ein Krieg ist ein gewollter politischer Akt." Die Historikerin Brigitte Pellar erinnert im Luftschutzbunker an den Beginn des Zweiten Weltkriegs vor 80 Jahren. http://bit.ly/80JahreKriegsbeginn

Gepostet von FSG – Fraktion Sozialdemokratischer GewerkschafterInnen am Freitag, 30. August 2019

„Vielleicht gut, wieder einmal darüber nachzudenken“ 

Mehr als 50 Millionen Menschen verloren damals in sechs Jahren ihr Leben. Noch vor dem Ende des 2. Weltkriegs wurde im April 1945 der Österreichische Gewerkschaftsbund gegründet. „Nach der Niederlage des Faschismus waren sich die meisten politisch Verantwortlichen, über ideologische Grenzen hinweg, in zwei Punkten einig“, erzählt Pellar. „Erstens: So etwas darf nie wieder passieren. Ebenfalls einig war man sich in dem Wissen, dass eine stabile Demokratie nur dann existieren kann, wenn soziale Verantwortung herrscht und die Interessen der ArbeitnehmerInnen in die Politik einbezogen werden. In einem Monat, in dem der Nationalrat in Österreich neu gewählt wird, wäre es vielleicht gut, wieder einmal darüber nachzudenken“.

Das Naziregime hat auch viele GewerkschafterInnen verfolgt, in Konzentrationslager gebracht und ermordet. Nicht nur deshalb setzen sich FSG und ÖGB seit ihrer Gründung für eine Gesellschaft ein, in der Faschismus und Rassismus keinen Platz haben. Die Österreichische Gewerkschaftsbewegung steht für Frieden und Demokratie, für soziale Gerechtigkeit, für gleiche Chancen und für die Gleichbehandlung der Geschlechter.

„Die Welt wird unberechenbarer, aber auch zerbrechlicher“ 

80 Jahre nach Beginn des 2. Weltkriegs erleben wir heute eine sehr widersprüchliche Politik: Die USA steigen aus dem Atomabkommen aus, das Vereinigte Königreich droht mit einem ungeordneten Verlassen der EU, Grenzmauern werden errichtet und Fake News verbreiten sich wie Seuchen rund um den Globus. „Die Welt wird insgesamt unberechenbarer, aber auch zerbrechlicher. Umso mehr müssen wir heute unsere ganze Energie auf die Erhaltung des Friedens und auch der Umwelt legen. Wir brauchen Stabilität und Verlässlichkeit, Diplomatie und Handschlagqualität sowie Gerechtigkeit und ein gutes Leben für alle. Das erreichen wir nur, wenn wir alle auf gleicher Augenhöhe miteinander reden und verhandeln“, fordert Willi Mernyi, Leitender Sekretär des ÖGB, und warnt zugleich: „Wer sich dem heute versperrt, will nur, dass sich die Geschichte wiederholt.“

>> Befreiungsmuseum Wien

>> Erinnerungsbunker im Arne-Karlsson-Park, 1090 Wien